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15 Jahre "Kulturlandschaftsprojekt Kärnten"

Die Arge NATURSCHUTZ beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Kulturlandschaft in Kärnten. Im Zeitraum von 2000 bis 2015 war die Arge NATURSCHUTZ Projektträger für das sogenannte "Kulturlandschaftsprojekt Kärnten", ab 2007 "Kulturlandschaftsprojekt-Consulting", einem aus Mitteln der EU, des Bundes und des Landes Kärnten geförderten Projektes.

In der Funktion als Projektträger wurden die Unterlagen aller Einzelmaßnahmen gesammelt und über zwei getrennte Projektanträge zur Förderung eingereicht:

  • Grundlagenerhebung und Maßnahmenplanung
  • Umsetzung

 Grundlagenerhebung und Maßnahmenplanung

Die Tätigkeiten innerhalb dieses Teilprojektes umfassten folgende 4 Bereiche:

  1. Erhebung von naturschutzfachlich wertvollen Lebensräumen, sowie ausgewählten Pflanzen- und Tierarten.

  2. Konzeption und Begleitung von Erstmaßnahmen (Schwenden, Schlegeln, Fräsen, Erstmahd)
  3. Konzeption und Begleitung von Biotop-Neuanlagen (Trockenmauer, Amphibiengewässer, etc.)
  4. Evaluierung der flächenbezogenen Maßnahmen im Zeitraum 2000 bis Mai 2015

Beispiele für Grundlagenerhebungen mit Maßnahmenplanung

  • Flächendeckende Biotopkartierungen in den Gemeinden Althofen, Brückl, Glanegg, Ludmannsdorf, Maria Saal, Moosburg, St. Margarethen im Rosental, Treffen und Weißenstein.
  • Gebietsmanagement Görtschacher Moos-Obermoos
  • Kulturlandschaftsprojekt Althofner Moor
  • Geotopkataster Kärnten
  • Bestandeserfassung und Monitoring des Wiedehopfes in Kärnten
  • Pilotprojekt Alpine Brandbewirtschaftung
  • Kartierung und Management Schwarze Küchenschelle in Kärnten
  • Kulturlandschaftsprojekt St. Lorenzener Hochmoor
  • Tierwelt der Trockenmauern in Kolbnitz/Reißeck
  • Die Bergmähder Kärntens
  • Vegetationskundliche Grobkartierung Danielsberg
  • Monitoring der Großen Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis )
  • Managementplan zur Sicherung des Vorkommens vom Steirischen Federgras in Kärnten
  • Die Trockenrasen Kärntens
  • Kartierung und Management vom Alpen-Mannstreu (Eryngium alpinum)
  • Botanisch-ökologische Grundlagenerhebung zur Almheuzertifizierung in Kärnten 
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Umsetzungsmaßnahmen

Dieses Teilprojekt umfasste die Umsetzung von naturschutzrelevanten Maßnahmen auf Basis der Grundlagenerhebung und Maßnahmenplanung. Dabei handelte es sich einerseits um die Schaffung von Landschaftselementen (z.B. Hecken, Wasserflächen, Baumreihen, Obstbaumbestände, Steinmauern, artenreiche Wiesenbestände), andererseits um die Durchführung von Pflegemaßnahmen, (z.B. Schwenden, Schlegeln, Mahd von verbuschten bzw. verbrachten Wiesen) sowie um spezielle Artenschutzmaßnahmen (z.B. für Amphibien, Fledermäuse, Vögel oder Insekten).
 

1. Schaffung von Landschaftselementen

In den Jahren 2000 bis 2015 wurden beispielsweise

  • 22 Hecken angelegt und dabei über 5.000 Bäume und Sträucher gepflanzt (Fläche: rund 2,4 ha),
  • insgesamt 40 Hochstamm-Obstbäume gepflanzt (Fläche: rund 0,7 ha),
  • 2 Kopfweidenbestände angelegt oder gepflegt (Fläche: rund 750 m2),
  • 44 Kleingewässer auf einer Fläche von ca. 3,1 ha angelegt,
  • 4 kleine Bäche auf einer Fläche von über 7.700 m2 reaktiviert oder instandgesetzt,
  • 2 Trockensteinmauern errichtet (Fläche: rund 110 m2),
  • das St. Lorenzener Hochmoor auf einer Fläche von rund 3.500 m2 wiedervernässt,
  • 2 Schotterflächen angelegt,
  • 1 Lehmwand wiederhergestellt (abgegraben),
  • sowie mehr als 30 ha mit speziellem Saatgut eingesät und auf diese Art artenreiche Wiesen geschaffen.
Bild Neu angelegte Hecke
Neu angelegte Hecke
Bild Baggerung eines Amphibienteiches
Baggerung eines Amphibienteiches
Bild Im Jahr der Pflege frisch ausgetriebene Kopfweiden
Im Jahr der Pflege frisch ausgetriebene Kopfweiden

Durchführung von Pflegemaßnahmen

Naturschutzfachlich besonders wertvolle Lebensräume des Offenlandes (z.B. Trockenrasen, Magerweiden, Feuchtwiesen) drohen immer mehr zu verstauden und zu verbuschen, da sie für die Landwirte betrieblich kaum oder gar nicht mehr interessant sind. Damit gehen wertvolle Lebensräume verloren. Solche Flächen wurden geschwendet und/oder geschlegelt oder erstmalig gemäht.
Einige Flächen wurden gefräst und auf trockenen Standorten mit einer artenreichen Saatgutmischung eingesät. Auf einigen Flächen wurden sogar Waldflächen (meist artenarme Fichtenforste) in artenreiche Wiesengesellschaften umgewandelt.

Derart der Nutzung wieder zugeführte oder neu geschaffene Grünlandflächen leisten einen hohen Beitrag zur Verbesserung der Artenvielfalt.

In den Jahren 2000 bis Dezember 2015 wurden

  • insgesamt über 177 ha verbuschte bzw. verwaldete Wiesen geschwendet und/oder gefräst, geschlegelt bzw. erstmalig gemäht und so wieder einer extensiven Nutzung zugeführt sowie Wälder in artenreiches Grünland umgewandelt.
Bild Fräsen einer verbuschten Feuchtwiese
Fräsen einer verbuschten Feuchtwiese

Durchführung spezieller Artenschutzmaßnahmen

Es gibt eine Reihe von Tierarten, die mittlerweile schon sehr selten geworden sind oder einen wichtigen Beitrag für Land- und Forstwirtschaft leisten, etwa als Schädlingsvertilger. Um manch gefährdete Population solcher Arten (z.B. Waldameisen, Hornissen, Bienen und Wespen) sichern zu können, sind unter anderem Aufwendungen für deren Übersiedelung notwendig.

Im ersten Teil des Projektzeitraumes (2000 bis 2007) wurden

  • insgesamt 34 Waldameisen-, 202 Hornissen-, 186 Wespen- und 3 Hummelvölker übersiedelt sowie durch Aufklärungsarbeit weitere 225 Hornissen-, 34 Wespen- und 3 Hummelvölker vor der Vernichtung bewahrt, sodass in Summe über 687 Insektenvölker gerettet werden konnten.
  • Außerdem wurde im Rahmen einer Teich-Renaturierung die Wiederansiedelung des Dohlenkrebses und der Teichmuschel an diesem Teich gefördert,
  • ca. 0,9 ha Wiesenknopf-Rasensoden als Lebensraum für den seltenen Ameisenbläuling verpflanzt und
  • 6 Kleintiertunnels zur Sicherung einer Amphibienwanderstrecke eingebaut.
Bild Waldameise
Waldameise
Bild Hornisse
Hornisse

Evaluierung

Die Evaluierung der insgesamt 265 flächenbezogenen Umsetzungsmaßnahmen wurde anhand eines Erhebungsbogens mit einer Art Ampel-Bewertungssystem (Kategorien gut-mittel-schlecht sowie nicht mehr vorhanden) durchgeführt.
Dieses System erlaubte mit relativ wenig Kartierungsaufwand (im Schnitt zwischen 1-3x pro Fläche) eine rasche Aussage, die trotz einer gewissen "Unschärfe" Entwicklungstrends erkennen ließ.

Ergebnisse

Insgesamt wurden 265 Einzelmaßnahmen in eine eigens programmierte Datenbank aufgenommen und zu Kategorien zusammengefasst.
In der folgeden Tabelle sind die einzelnen Kategorie-Typen mit Angabe von Anzahl der Einzelmaßnahmen und ihrer Fläche sowie der jeweilige Prozentanteil an der Fläche aller Einzelmaßnahmen dargestellt.

Bild 385_center_1453126903.jpg

Zustand des Grünlandes
Die überwiegende Mehrheit der Grünlandflächen hat sich positiv entwickelt: beinahe 85 Prozent aller Flächen sind völlig geschlossen und schon knapp 45 Prozent weisen eine hohe Artenvielfalt auf.

Zustand der Gehölz-Bestände
Bei knapp 60 Prozent aller Gehölzpflanzungen sind noch mehr als 2/3 der gepflanzten Gehölze vorhanden, die Vitalität der Gehölze ist bei über 2/3 aller Gehölzpflanzungen sehr gut.
Mehr als 3/4 aller Hecken-Pflanzungen hat bereits Selbstanflug neuer Gehölze und damit Naturverjüngung stattgefunden.
 

Zustand der Gewässer
Die Parameter Besonnung und Verlandung, sowie der Anteil freier Wasserfläche und der Unterwasservegetation gelten jeweils als Hinweis für den Sukzessionsgrad eines Gewässers.
Noch sind knapp 80 Prozent überwiegend besonnt, das heißt, aufkommende Ufergehölze sind noch nicht allzu hoch gewachsen. Jedoch schon je ca. 20 Prozent weisen zu mehr als 1/3 oder sogar mehr als 2/3 Verlandungstendenzen auf (meist mit Wasser- und Unterwasserpflanzen bewachsene Flachwasser- und Uferzonen).
Die Ursache dafür liegt u.a. in der zum Teil geringen Größe und dadurch geringen Tiefe der angelegten Teiche.
 

Zustand der Trockenmauern
Beide errichteten Trockenmauern weisen mehr als 30 Prozent Mauerfugenvegetation auf und sind in sehr gutem Zustand.
 

Zustand der Tunnel-Leit-Anlage
Die einzige umgesetzte Tunnel-Leit-Anlage ist in sehr gutem Zustand (schlechte Überwindbarkeit der Leitwand für Amphibien, feuchte Tunnel, lückenlose Leitwand).

Bild 14 Jahre alte Hecke
14 Jahre alte Hecke
Bild 10 Jahre alter Teich
10 Jahre alter Teich

Pflanzenarten
Im Rahmen der Evaluierung wurden insgesamt weit über 400 unterschiedliche Pflanzenarten festgestellt. Darunter befanden sich auch seltene und spektakuläre Arten, wie z.B. Orchideen, Lilien, Nelken oder Enziane. Eine Liste der seltensten Arten inklusive Angabe über Gefährdung und FFH-Nennung kann nach diesem Absatz heruntergeladen werden.
 

Liste ausgewählter Pflanzenarten (1.007 kB - herunterladen)
Bild Rundblättriger Sonnentau
Rundblättriger Sonnentau

Tierarten
In den neu geschaffenen Lebensräumen konnten schon mindestens 9 teilweise bis zu stark gefährdete Amphibienarten, 3 teilweise bis zu stark gefährdete Reptilienarten und mindestens 13 teilweise bis zu stark gefährdete Libellenarten festgestellt werden. Eine Liste der Arten inklusive Angabe über Gefährdung und FFH-Nennung kann nach diesem Absatz heruntergeladen werden.
 

Liste ausgewählter Tierarten (941 kB - herunterladen)
Bild Laubfrosch
Laubfrosch

Beeinträchtigungen
Leider mussten bei verschiedenen Flächen auch Beeinträchtigungen festgestellt werden, teilweise auch mehrere auf ein und derselben Fläche. Nicht alle Beeinträchtigungen wogen gleich schwer oder betrafen immer die ganze Fläche, daher wurde auf eine Gewichtung verzichtet und stattdessen nur der Schweregrad bei der Beurteilung der Fläche berücksichtigt.
Zu den häufigsten Beeinträchtgungen zählten: Gehölzaufkommen, fehlende Mahd, Neophyten, Ruderalpflanzen, Überdüngung, oder Fischbestz.

Bild Fische fressen u.a. Kaulquappen und können vor allem in kleinen Teichen schnell zu einer Überdüngung des Wassers führen.
Fische fressen u.a. Kaulquappen und können vor allem in kleinen Teichen schnell zu einer Überdüngung des Wassers führen.

Bewertung
Die Gesamtbewertung aller 265 Maßnahmenflächen stellt sich wie folgt dar: Mehr als die Hälfte aller Maßnahmen wurden mit "gut" (Zielbiotop 100% bis überwiegend erreicht, artenreich, typisch, Lebensraum für Zielarten ausreichend vorhanden) und fast ein Drittel mit "mäßig" (Zielbiotop gerade noch ausreichend, kleine Verbesserungen aber notwendig) bewertet.
Der Zustand von 33 Maßnahmenflächen (rund 12 Prozent) wurde als "unzureichend" (Zielbiotop in schlechtem Zustand, massive Verbesserungen notwendig) eingestuft, 9 Maßnahmenflächen (3,4 Prozent) existieren nicht mehr (eine Heckenpflanzung und 8 Einsaatflächen auf Acker).
 

Beispiele für gute Umsetzungen (1.840 kB - herunterladen)
Bild 390_center_1453132123.jpg

Empfehlungen
Aufgrund der festgestellten Ergebnisse wurden eine Reihe spezieller und allgemeiner Empfehlungen formuliert. Eine vollständige Liste kann nach diesem Absatz heruntergeladen werden.
 

Liste der Empfehlungen (236 kB - herunterladen)

Resümee
Im Zuge des Kulturlandschaftsprojektes Kärnten konnten in den vergangenen 15 Jahren viele neue Lebensräume für eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten (darunter einige seltene und gefährdete Arten) erhalten und neu geschaffen werden. Bei insgesamt 84 Prozent der einzelnen Maßnahmenflächen ist das Zielbiotop ausreichend erreicht worden.

Darüber hinaus konnten wertvolle Erkenntnisse gewonnen sowie daraus Empfehlungen für zukünftige ähnliche Projekte formuliert werden.

Obwohl die überwiegende Mehrheit der Einzelmaßnahmen als gelungen betrachtet werden kann, lassen die gewonnenen Erkenntnisse und formulierten Empfehlungen hoffen, dass zukünftige Maßnahmen einen noch höheren Erfolgsgrad aufweisen werden, was aber nur bei regelmäßiger Begleitung und Kontrolle erreicht werden kann.
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Anschließend können Sie anhand einer Bildreihe die natürliche Sukkzession eines ca. 1.000 m2 großen Teiches (inklusive Böschungen) innerhalb von 10 Jahren verfolgen.

Bild Artenreiche Blumenwiese - ca. 8 Jahre, nachdem auf diesem Stadort eine dichte Fichten-Monokultur gerodet wurde.
Artenreiche Blumenwiese - ca. 8 Jahre, nachdem auf diesem Stadort eine dichte Fichten-Monokultur gerodet wurde.
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