Artenschutzprojekt Fledermäuse
Ausgangslage und Projekteile
Mit dem seit 1999 laufenden "Artenschutzprojekt Fledermäuse Kärnten" besteht eine wichtige Grundlage für notwendige Schutzmaßnahmen und der langfristig angelegten Projektteile. Eine durchgehende Fortführung des Projektes in Kärnten, ist – wie auch in den anderen Bundesländern – von entscheidender Bedeutung, da nur so die Kontinuität erhalten bleibt und sowohl für das Bürgerservice als auch für das Monitoring ein Aussetzen des Projektes fatale Folgen für den Fledermausschutz nach sich ziehen könnte (z.B. Verlust von Quartieren, Tod von Findlingen, erhebliche Einschränkungen in der Nutzbarkeit von Monitoringdaten).
Aufgrund der in den letzten Jahren abgeschlossenen Projekte "Rote Liste Fledermäuse Kärnten" und "Fledermaus-Ersatzquartiere-Kärnten" erweiterte sich der Kenntnisstand um diese Säugetiergruppe stark und es wurde ein umfassender Beitrag zum Fledermausschutz geleistet.
Zusammengefasst sind für das "Artenschutzprojekt Fledermäuse Kärnten" folgende Inhalte definiert:
1. Erhaltung und Sicherung von Fledermausquartieren in und an Gebäuden
- Erfassung und Hilfestellung bei Neufunden von Quartieren
- Betreuung bei Renovierungen und Umbauten
- Hilfestellung bei Problemquartieren
- Betreuung bekannter Fledermausquartiere (Putzaktionen, kleine Schutzmaßnahmen)
Durchschnittlich wurden in den letzten Jahren bei der Arge NATURSCHUTZ 165 Anfragen registriert und dokumentiert. Die meisten Problemfälle konnten selbst bearbeitet werden, in einigen Fällen wurden externe Fachkollegen (aus den anderen Bundesländern) eingebunden oder die Anfragen an sie weitergeleitet. Mehr als die Hälfte der jährlichen Anfragen (ca. 55%), beziehen sich auf Fledermaus-Findlinge, die entweder verletzt oder geschwächt von aufmerksamen Mitbürgern gefunden und gemeldet werden. Meistens ist es möglich durch eine telefonische Beratung Hilfestellung zu geben. In vielen Fällen - vor allem bei verletzten Tieren - muss jedoch das Tier vor Ort untersucht werden und gegebenenfalls zu einem Tierarzt gebracht werden.
Ein kleinerer Teil der Anfragen (15 – 20%) entfallen auf Quartiermeldungen. Meist handelt es sich um Wochenstubenquartier von z.B. der Kleinen Hufeisennase im Dachboden oder einer Kolonie von Spaltenbewohnern unter der Außenfassade eines Hauses. Die Verschmutzung durch Fledermausguano und Urin und auch die Angst vor Infektionen stellen sehr oft die Ursache für sogenannte "Problemquartiere" dar.
Werden solche Problemquartiere gemeldet, ist eine Besichtigung vor Ort unerlässlich, um die jeweiligen Quartierbesitzer aufzuklären und dazu zu motivieren, das Fledermausquartier zu sichern bzw. unberührt zu belassen.
In einzelnen Fällen wird die Arge NATURSCHUTZ wegen geplanten bzw. bereits in Durchführung befindlichen Renovierungen bzw. Umbauten zu Rate gezogen, wenn von diesen Tätigkeiten Fledermausquartiere betroffen sind oder werden könnten. Bei solchen Anliegen ist eine Besichtigung vor Ort unter Einbeziehung der Eigentümer erforderlich. Im Zuge dessen werden Möglichkeiten bezüglich Aufschiebung der Arbeiten diskutiert und ggf. auch vereinbart.
2. Übernahme und Betreuung von Findlingen und Pfleglingen
- Hilfestellung bei Findlingen und Pfleglingen
- Veterinärmedizinische Betreuung
- Betreuung verletzter und geschwächter Individuen
- Aufzucht verwaister Jungtiere
- Überwinterung von Pfleglingen und Winter-Findlingen
Ein sehr großer Teil der eingehenden Meldungen seitens der Bevölkerung betrifft Fledermausfindlinge. Bei einem ausführlichen Telefonat werden die Anrufer zum gesundheitlichen Zustand und zu den Fundumständen befragt.
Handelt es sich um unverletzte Tiere, kann versucht werden, diese zur Abenddämmerung wieder freizulassen. Gelingt das nicht, werden die jeweiligen Personen gebeten, erneut Kontakt aufzunehmen um weitere Schritte zu unternehmen. In solchen Fällen oder bei erkannten Verletzungen wird das Tier von einem Mitglied des Pflegeteams übernommen und im besten Fall selbst versorgt. Bei offensichtlichen Verletzungen oder Anomalien wird die Fledermaus zu einem Tierarzt gebracht und von diesem behandelt.
Oft sind es auch verwaiste Fledermausbabys, die eine besonders aufwändige Pflege benötigen, bis diesen der Start in die Freiheit ermöglicht werden kann.
Auch in den Wintermonaten fallen gelegentlich Findlinge an. Hier gilt es ebenso zu beurteilen, ob der gesundheitliche Zustand und Faktoren wie die vorherrschende Wetterlage, nächtliche Temperaturen und das Vorhandensein geeigneter Winterquartiere in unmittelbarer Umgebung es erlauben, das Tier freizulassen. Ist das nicht der Fall, werden die Fledermäuse auf ihr artspezifisches Überwinterungsgewicht aufgefüttert und bis zum Frühjahr eingewintert.
Oberstes Ziel ist es, genesene Tiere sowie aufgezogene Jungtiere wieder in die Freiheit zu entlassen.
3. Kontrolle bedeutsamer Fledermausquartiere
- Kontrolle von ausgewählten Winterquartieren (Höhlen, Stollen, Bunker, Erdkeller)
- Kontrolle von ausgewählten Sommerquartieren (Wochenstubenquartiere in Kirchen, Pfarrhäusern, alten Gebäuden und Hohlbrücken)
- Abendsegler-Monitoring
Folgende Fledermausarten des Anhanges II der FFH-Richtlinie kommen in Kärnten vor:
- Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros)
- Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum)
- Mausohr (Myotis myotis)
- Kleines Mausohr (Myotis oxygnathus)
- Wimperfledermaus (Myotis emarginatus)
- Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
- Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus)
Kontrolle von ausgewählten Winterquartieren
Jährlich werden etwa 40 bis 45 bekannte, bedeutende Winterquartiere zwischen Anfang Dezember und Ende Februar auf das Vorkommen von Fledermausarten der Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie untersucht. Diese Winterquartiere sind hauptsächlich Höhlen und Stollen, jedoch auch Bunker und Erdkeller, die geeignete klimatische Faktoren für ein erfolgreiches Überwintern der einzelnen Arten aufweisen.
Kontrolle von ausgewählten Sommerquartieren (Wochenstuben)
An die 55 Sommerquartiere werden jährlich auf das Vorkommen der Arten Kleine Hufeisennase, Mausohr und Kleines Mausohr sowie Wimperfledermaus untersucht. Diese Quartiere dienen den genannten Arten als Wochenstuben. Daher ist der Erhalt dieser sowie der Kenntnisstand um die Populationen und der Reproduktionserfolg von allergrößter Bedeutung.
Sommermonitoring des Abendseglers
Über das Vorkommen und die Verbreitung des Abendseglers (Nyctalus noctula) in Kärnten ist noch relativ wenig bekannt. Bisher sind erst wenige Quartiere entdeckt worden. Zwei bedeutende mit rund 25 und 80 Individuen befinden sich in Klagenfurt und werden jährlich kontrolliert.
Mit Hilfe der jährlichen mittlerweile europaweit durchgeführten Abendsegler-Simultanzählung soll nun der Wissensstand bezüglich der Anzahl der Individuen und auch deren Verbreitung und Wanderbewegung verbessert werden.
4. Öffentlichkeitsarbeit
- Organisation von Bat nights oder anderen Informationsveranstaltungen
- Beantwortung von Medienanfragen
- Erstellen von Beiträgen und Artikeln für Presse und Rundfunkmedien sowie Homepages
- Bürgerservice in Form von Fragebeantwortung, Aufklärung und Hilfestellung
- Betreuung der Aktion "Fledermäuse willkommen"















