Fledermaus Ersatzquartiere
Vielfältige Funktionen
Fledermäuse haben eine wichtige Funktion in Landschaftsökosystemen, da sie beträchtliche Mengen Insekten (darunter viele Schadinsekten) vertilgen. Eine Förderung von Fledermäusen kann alleine schon aus diesem Grund von großem Nutzen sein. Zudem sind alle in Europa vorkommenden Fledermausarten im Anhang IV der FFH-Richtlinie als streng zu schützende Arten angeführt.
Fledermäuse benötigen im Laufe des Jahres unterschiedliche Quartiere. Die wichtigsten sind Wochenstubenquartiere/Sommerquartiere und Winterquartiere. Als Winterquartiere dienen meist Naturhöhlen aber auch Stollen und alte Erdkeller, in denen ein gewisses Klima vorherrscht. Bevorzugt werden dabei Temperaturen zwischen 6°C und 10°C bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von ca. 70%.
Vielfältige Quartiertypen
Eine der Hauptursachen für den Rückgang von Fledermauspopulationen ist der Verlust von geeigneten Wochenstubenquartieren.
In Siedlungsgebieten sind es hauptsächlich Fledermausarten, deren Wochenstubenquartiere (Sommerquartiere) sich in Spalten unter Holzverschalungen älterer Gebäude aber auch in Lücken und Hohlräumen von Dachkonstruktionen befinden. Einige andere Arten wie z.B. Mausohren oder Kleine Hufeisennasen benötigen zur Aufzucht ihrer Jungen geräumige Dachböden.
In Wäldern, Parks oder Streuobstwiesen nutzen Fledermäuse Kleinhöhlen (wie Specht- oder Fäulnishöhlen) oder auch Spalten in Form von abgesplitterter Borke als Sommerquartiere.
Gerade diese Quartiertypen sind jedoch aufgrund von Althaussanierungen, zu gut gemeinter Pflege und wirtschaftlicher Waldnutzung oft nicht mehr in ausreichender Anzahl vorhanden. Das Quartierangebot kann somit limitierend für das Vorkommen von Fledermäusen sowohl im Siedlungsraum als auch in Wäldern sein.
Ersatzquartiere in Form von Fledermauskästen (Kleinhöhlen) oder Fledermausbrettern (Spaltenquartiere) werden in solchen Situationen oft gut angenommen und können eine mittelfristige Verbesserung der Quartiersituation darstellen.
Die Arge NATURSCHUTZ hat im Rahmen des im Jahr 2019 abgeschlossenen Projekts "Rote Liste der Fledermäuse Kärntens" alle bekannten Reviere mit Fledermaus-Ersatzquartieren erfasst und eine Gesamtliste erstellt. In den letzten Jahren wurden mit finanzieller Unterstützung des Landes Kärnten die Kastenreviere ausgeweitert und umfassen mittlerweile 109 Kastenreviere mit 1.669 Quartieren. Einige Reviere wurden aufgrund der schadhaften Kästen und Bretter aufgelassen, andere werden aufgrund der Ergebnisse nicht regelmäßig kontrolliert.
Vielfältige Kooperationen
In den vergangenen Jahren gab es mehrere Kooperationen mit Schulen, der Jägerschaft und der KELAG, durch welche in ausgewählten Gebieten Kastenreviere mit Ersatzquartieren eingerichtet wurden.
Zudem wurden im Rahmen von verschiedenen Projekten (z.B. LIFE Obere Drau, Hauptschule Lavamünd), aber auch im Zuge von naturschutzrechtlichen Behördenverfahren oder Privatinitiativen Fledermaus-Ersatzquartiere montiert (z.B. Krumpendorf, Reißeck-II).
Vielfältige Aufgaben
Basierend auf dieser Grundlage sollen in Kärnten die bisher erfassten Reviere von Fledermausquartieren verbessert (Auflassen nicht geeigneter Reviere, Erweiterung bestehender angenommener Quartiere), neu angelegt, betreut und regelmäßig kontrolliert werden.
Sehr häufig werden Fledermauskästen (egal ob Holzbeton oder Holz) auch von anderen Tieren (Wespen, Hornissen, Vögeln, Siebenschläfern, Haselmäusen) genutzt. Auch aus diesem Grund ist es notwendig, das Angebot an Fledermausquartieren in bestehenden Revieren zu erhöhen bzw. laufend zu warten.
Ergebnisse 2023
Mit Stand vom 31. Dezember 2023 sind 119 Kastenreviere mit 1.836 Kästen bzw. Brettern verschiedenen Typs dokumentiert.
Im Jahr 2023 wurden folgende Kastenreviere neu angelegt.
KR-117 Döring
Bei einem Privathaus in Moosburg wurde eine Fledermauswochenstube gemeldet, die sich unter dem Dach einquartiert hatte. Da das Dach erneuert werden sollte, wurde im Sommer ein Fledermausbrett an der angrenzenden Wirtschaftshütte montiert, um den Tieren ein zusätzliches Quartier anzubieten.
KR-118 Waldfriedhof Villach
Kooperationsprojekts mit Infineon: Auf Bitte der Leiterin des Waldfriedhofes Villach wurden 20 Stück im Waldfriedhof montiert.
KR-119 Dinzlpark
Kooperationsprojekts mit Infineon: Die Montage von 10 Stück erfolgte in Abstimmung mit der Abteilung Stadtgrün/Villach im Dinzlpark.
Im Jahr 2023 wurden von den 119 Kastenrevieren bereits neun im Jahr 2022 und dieses Jahr weitere neun Kastenreviere aufgelassen. In den meisten Fällen sind die Quartiere kaputt oder fehlen aufgrund von Baumschlägerungen. In manchen Fällen waren die Quartiere ungenutzt. Unbeschädigte Kästen werden in den Wintermonaten abgenommen und in anderen Revieren eingesetzt. In einigen Quartieren werden Fledermausbretter ausgetauscht, da diese bereits seit 2007 auf den Bäumen oder Jagdkanzeln hängen und aufgrund der Witterung schadhaft sind.
In 57 Kastenrevieren mit 215 Kästen bzw. Brettern wurden Fledermäuse bzw. Fledermauskot nachgewiesen. Besonders interessant ist, dass bei den Kontrollen in 32 gleichen Quartieren Fledermäuse bzw. Fledermauskot nachgewiesen wurden.
Bei der 1. Kontrolle wurden in 89 Revieren insgesamt 121 Fledermausnachweise erbracht, bei der 2. Kontrolle in 57 Revieren insgesamt 126 Nachweise.
An sonstigen Individuen wurden nachgewiesen: Vögel, Siebenschläfer, Baumschläfer (?), Haselmäuse, Mäuse, Eidechsen, Äskulapnatter, Wespen, Hornissen, Hummeln, Ameisen, Nachtfalter, Käfer, Ohrwürmer, Schnecken, Schnegel, Wanzen, Asseln etc.. Am häufigsten werden die Quartiere von Vögeln genutzt (405), gefolgt von der Gruppe Ameisen, Wespen, Hummeln (259) Spinnen und Weberknechte (179) und Schnecken/Schnegel.
Ergebnisse 2022
Mit Stand vom 31. Dezember 2022 sind 116 Kastenreviere mit 1.680 Kästen bzw. Brettern verschiedenen Typs dokumentiert. Sämtliche Kastenreviere werden in die Fledermausdatenbank ElisABat bei der KFFÖ eingepflegt und mit einem ID-Fundort versehen.
Im Jahr 2022 wurden folgende Kastenreviere neu angelegt. Die Kosten der Quartierhilfen sowie die Montage und auch Kontrollen Arbeiten wurden über eigene Projekte finanziert.
KR-110 Gurkauen
Auf dem neuen Grundstück der Arge NATURSCHUTZ wurden vier von sieben Fledermausbrettern auf vorhandenen Jagdkanzeln montiert. Erfreulich ist, dass im Zuge einer Kontrolle zwei Bretter bereits von Fledermäusen als Quartier genutzt wurden.
KR-111 Walter-Dick-Park
Im Zuge eines Kooperationsprojekts mit Infineon wurden 100 Fledermaus- und Vogelkästen angekauft. Die Montage erfolgte in Abstimmung mit der Abt. Stadtgrün/Villach in drei Parklandschaften mit Mitarbeitern von Infineon. Im Walter-Dick-Park in Landskron wurden 20 Kästen montiert. Einige bereits vorhandene Holznistkästen wurden in die KR-Liste aufgenommen.
KR-112 Technologiepark Magdalen
Kooperationsprojekts mit Infineon: Im Technologiepark Magdalen wurden 10 Kästen montiert. Einige bereits vorhandene Holznistkästen (4) wurden in die KR-Liste aufgenommen.
KR-113 Napoleonwiese
Kooperationsprojekts mit Infineon: Auf der Napoleonwiese wurden 40 Kästen montiert. Bei der Zweitkontrolle wurden einige Vortüren mit kleineren Einflugöffnungs-Durchmesser ausgetauscht.
KR-114 Lendspitz-Maiernigg
Im Auftrag der Abt. Klima und Umweltschutz der Stadt Klagenfurt wurden in den beiden ESG-Gebietshälften insgesamt 23 Kästen montiert.
KR-115 ICD-Völkendorf
Kooperationsprojekts mit Infineon: vier Kästen wurden beim Kindergarten ICD in Völkendorf montiert.
KR-116 Burgstallkogel
Im Rahmen des Engagementtages 2022 wurden mit zwei Mitarbeitern der Kärntner Krone im Bereich des U-Bunkers am Burgstallkogel 10 Kästen montiert.
In 39 Kastenrevieren mit 63 Kästen bzw. Brettern wurden Fledermäuse bzw. Fledermauskot nachgewiesen. An sonstigen Individuen wurden nachgewiesen: erstmals Eidechsen und Gartenschläfer, weiters Vögel, Siebenschläfer, Haselmäuse, Mäuse, Wespen, Hornissen, Hummeln, Ameisen, Nachtfalter, Käfer, Ohrwürmer, Schnecken, Schnegel, Wanzen, Asseln, Skorpionsfliege etc. Am häufigsten wurden die Quartiere von Vögeln genutzt (376), gefolgt von der Gruppe Ameisen, Wespen, Hummeln (288) Spinnen und Weberknechte (237), Nachtfalter (91) und Siebenschläfer (73).
In acht Kastenrevieren konnten Wochenstuben nachgewiesen werden, in fünf Fällen handelte es sich um Bechsteinfledermäuse, in zwei um Bartfledermäuse (durch Kotproben bestätigt) und um Mopsfledermäuse. Zum überwiegenden Teil wurden jedoch nur Einzeltiere oder einige wenige Tiere (vor allem im Herbst) nachgewiesen, sehr häufig konnten nur Kothaufen vorgefunden werden.
Ergebnisse 2021
Im Jahr 2021 wurde in drei Revieren die Anzahl der Kästen erweitert und fünf Reviere neu angelegt:
KR-105 Stocklitz
Auf dem Grundstück der Arge NATURSCHUTZ wurden 10 verschiedene Kastentypen montiert.
KR-106 Aschendeponie
Auf dem Grundstück der Arge NATURSCHUTZ wurden im Rahmen einer gemeinsamen Aktion mit Mitarbeitern der Abt. 8-Uabt. Naturschutz insgesamt 10 verschiedene Kästen montiert. Die Kästen wurden von der Uabt. Naturschutz gesponsert.
KR-107 Fronwiesen
Mit Zustimmung des Jagdvereins Maria Elend wurden auf 6 Jagdkanzeln Fledermausbretter vom Typ Schiberl montiert.
KR-108 Rakouza-Moor
In Zusammenarbeit mit dem Schieflinger Ramsarverein RAUM wurde nach Zustimmung von Obmann Mag. Klaus Kugi im Bereich des Grundstücks des Naturschutzbundes 13 verschiedene Kästen montiert.
KR-109 Ghf Oitzl
Nachdem beim Ghf Oitzl ein Problemquartier gemeldet wurde und dieses nach einer gemeinsamen Besichtigung mit Jahresende verschlossen wird, war die Eigentümerin sofort einverstanden ein Ersatzquartier in Form eines Fledermausbretts auf der Scheune zu montieren.
Im Jahr 2021 wurden von den 109 Kastenrevieren neun aufgelassen. Von den 100 übrigen Kastenrevieren wurden 72 Reviere zumindest einmal kontrolliert, 22 zweimal kontrolliert und ein Revier dreimal kontrolliert.
Von den fünf neuen Kastenrevieren wurden in diesem Jahr drei Reviere einmal kontrolliert.
In 35 Kastenrevieren mit 93 Kästen bzw. Brettern wurden Fledermäuse bzw. Fledermauskot nachgewiesen. An sonstigen Individuen wurden nachgewiesen: Vögel, Siebenschläfer, erstmals Haselmäuse in 16 Quartieren (5 Revieren), Mäuse, Wespen, Hornissen, Hummeln, Ameisen, Nachtfalter, Käfer, Ohrwürmer, Schnecken, Asseln, Raupen etc.. Am häufigsten werden die Quartiere von Vögeln genutzt (274), gefolgt von Spinnen (100), Hornissen (83), Siebenschläfer (75), Ameisen (59) und Wespen (43).
In sieben Kastenrevieren konnten Wochenstuben nachgewiesen werden, in den meisten Fällen handelt es sich um Bartfledermäuse, in drei Revieren um die Bechsteinfledermaus und um Mopsfledermäuse. Zum überwiegenden Teil wurden jedoch nur Einzeltiere oder einige wenige Tiere (vor allem im Herbst) nachgewiesen, sehr häufig konnten nur Kothaufen vorgefunden werden.
Im Vergleich zum Jahr 2020 (51 Reviere) wurden im Jahr 2021 nur in 35 Kastenrevieren Fledermäuse nachgewiesen. Die geringere Anzahl ist darauf zurückzuführen, dass dieses Jahr bestimmte Reviere nicht und manche Revier zu spät oder nur einmal kontrolliert wurden.
Basierend auf den Ergebnissen der letzten zwei Jahre wird die Kontrolle künftig auf die Reviere konzentriert, in denen Fledermäuse nachgewiesen wurden.




















