Verbreitung der Zierlichen Moosjungfer in Kärnten
Einleitung
Die Zierliche Moosjungfer (Leucorrhinia caudalis) zählt zu den seltensten Libellenarten Österreichs. Sie gilt laut Roter Liste Kärnten und Österreich als "vom Aussterben bedroht (CR)" und ist im Anhang IV der FFH-Richtlinie genannt.
Die bisherigen Funde in Kärnten waren Zufallsfunde, die Zierliche Moosjungfer wurde in Kärnten bis ins Jahr 2023 noch nicht gezielt erhoben, das heißt, die landesweite Verbreitung und die Populationsgröße dieser seltenen Art waren noch nicht vollständig geklärt.
Die Zielsetzung für dieses Projekt bestand darin, einen Überblick über die aktuelle Verbreitung und Populationsgrößen der Zierlichen Moosjungfer in Kärnten zu gewinnen. Zudem werden allfällige Habitatmängel erfasst und auf dieser Grundlage generelle Maßnahmenempfehlungen erstellt.
Beschreibung
Die Zierliche Moosjungfer ist als eine auffallend gedrungene, breitflüglige Libelle mit abgeflachtem, verbreitertem Hinterleib charakterisiert. Sie gehört mit einer Körperlänge von 33-37 mm zu den kleineren Großlibellen und ist am schwarzen Fleck an der Hinterflügelbasis, der weißen Stirn, weißen oberen Hinterleibsanhängen und beim Männchen weißen Pterostigmen zu erkennen. Der Hinterleib des Männchens ist schwarz, im Alter auf den Segmenten 3 bis 5 hellblau bereift und zum Ende hin vor allem beim Männchen keulenförmig verdickt. Der Hinterleib des Weibchens hat auf der Oberseite der Abdominalsegmente 2 bis 6 jeweils einen gelben Fleck, die blaue Bereifung fehlt.
Biologie der Zierlichen Moosjungfer
Insgesamt weiß man bis heute recht wenig über diese scheue Art. Die Flugzeit beginnt Anfang Mai und dauert etwa bis Mitte Juli. Die Männchen sitzen gerne auf den Blättern von See- und Teichrosen, wodurch sie vom Ufer aus oft schwer erkennbar sind. Typisch ist auch ein tänzelnder Flug, bei dem die weißen Pterostigmen des Männchens gut sichtbar sind. Die Larven leben die meiste Zeit zwischen Wasserpflanzen. Sie verfügen gegenüber allen anderen Arten der Gattung Leucorrhinia über relativ kräftige Seiten- und Rückendornen, wodurch sie sich offensichtlich gut gegen Fische behaupten können.
Die Zierliche Moosjungfer bevorzugt flache meso- bis eutrophe Altwässer und größere Teiche in tieferen Lagen. Dies können sowohl Moorgewässer als auch Altarme in Auen und Kiesgruben sein. Die Larvalgewässer weisen meist ein fortgeschrittenes Sukzessionsstadium mit dichter Unterwasservegetation, Schwimmblattvegetation und gut entwickeltem Uferröhricht auf. Diese Entwicklungsgewässer sind mäßig nährstoffreich, klar und meist von Wald umgeben.
Verbreitung und Gefährdung
Das Verbreitungsgebiet der Zierlichen Moosjungfer reicht in der West-Ost-Ausdehnung von der französischen Atlantikküste bis ins südliche Zentralsibirien. In Europa gibt es zusammenhänge Vorkommen nur in den Ländern rund um die Ostsee und in den nördlichen Teilen Frankreichs. In Mittel- und Westeuropa liegen die Fundorte weit verstreut, regional ist die Art ausgestorben oder sehr selten geworden. Sie breitet sich aber seit etwa 2000 wieder aus.
In Österreich wurde die Art bis dato nur in Oberösterreich (ausschließlich historisch aus der Umgebung von Steyr), Wien (historisch und rezent aus den Wiener Donauauen) und Kärnten (rezent an drei Standorten) nachgewiesen.
Die größte Gefahr für die Zierliche Moosjungfer stellt der Verlust der Larvalgewässer dar, z.B. durch Verlandung oder Änderung des Wasserregimes. Als weitere Gefährdungsfaktoren sind die Entfernung von Unterwasservegetation, starke Eutrophierung und Wassertrübung zu nennen. Auch erhöhter Falllaubeintrag, starke Beschattung und ein Besatz mit am Gewässergrund fressenden Fischarten oder Pflanzenfressern (z.B. Karpfen oder Graskarpfen) wirkt sich nachteilig auf ihr Vorkommen aus.
Ergebnisse
Von den 42 in Kärnten untersuchten Gewässern konnte die Zierliche Moosjungfer an insgesamt 14 Standorten nachgewiesen werden (davon an 8 Gewässern zum ersten Mal). Drei der alten Funde konnten nicht bestätigt werden.
Im Zuge der Kartierungsarbeiten konnten außerdem 31 weitere Arten festgestellt werden, darunter die Schwesterart Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) und als Erstnachweis für Kärnten die Gabel-Azurjungfer (Coenagrion scitulum).








