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Die Würfelnatter in Kärnten

Obwohl sie gelegentlich in unmittelbarer Nähe von Badegästen oder Spaziergängern ruht, ist sie doch nur wenig bekannt: die Würfelnatter (Natrix tessellata).
Sie ist eine ungiftige und scheue Wassernatter und kann ausgezeichnet schwimmen und tauchen. Daher ist sie am ehesten in unmittelbarer Gewässernähe anzutreffen, wo sie sich entweder am Ufer sonnt oder im Wasser auf Jagd nach kleinen Fischen ist.
Ihre namensgebende "Würfelzeichnung", versetzt stehende dunkle und helle Flecken, ist nicht immer deutlich ausgeprägt, weshalb gelegentlich Verwechslungen mit anderen Schlangenarten vorkommen.

Verbreitung und Gefährdung
Das Verbreitungsgebiet der Würfelnatter erstreckt sich über Süd-Osteuropa und West-Asien. In Mitteleuropa erreicht sie ihre nördliche Verbreitungsgrenze und ist hier auf klimatisch begünstigte Lebensräume beschränkt. Dementsprechend erstreckt sich das Verbreitungsgebiet der Würfelnatter in Kärnten entlang der wärmeren Tallagen. Als Lebensraum bevorzugen Würfelnattern Uferzonen größerer stehender oder fließender Gewässer.

Hauptsächlich aufgrund von Lebensraumverlust (z. B. durch Verbauungen von Fließgewässern oder auch kleinräumig durch Verfugen von Stützmauern, etc.), Lebensraumzerschneidung durch Verkehrswege und Rückgang der Fischbestände wurden die Bestände der Würfelnatter in Mitteleuropa stark dezimiert.

Die Würfelnatter zählt europaweit gemäß der FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, Anhang IV) zu den "streng zu schützenden Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse". In Österreich gilt die Würfelnatter als stark gefährdet und ist in Kärnten durch die Tierartenschutzverordnung ganzjährig vollständig geschützt. In der Empfehlung Nr. 27 des Europarates zur Berner Konvention wurde Kärnten aufgefordert, Schutzmaßnahmen für diese bedrohte Tierart zu ergreifen.

Vorgeschichte zum Projekt
In den Jahren 1997 bis 2000 wurde eine Erhebung der Würfelnatter-Vorkommen in Kärnten durchgeführt. Das Projekt wurde aus Mitteln des Landes Kärnten gefördert. Die Untersuchung hat gezeigt, dass der Verbreitungsschwerpunkt der Würfelnatter im Zentralraum Kärntens, im Wörthersee-Gebiet sowie entlang der Drau, liegt.
Im Zuge der Untersuchungen wurden auch aktuelle Gefährdungsursachen und Verschlechterungen von Lebensraumstrukturen festgestellt.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes zur Phylogeographie von Würfelnatter (Natrix tessellata) und Vipernatter (Natrix maura) wurden im Mai 2002 insgesamt 15 Blutproben von Würfelnattern in Kärnten entnommen, die von Frau Daniela Guicking, Institut für Pharmazeutische Biologie in Heidelberg, genetisch untersucht wurden. Die Ergebnisse ließen auf eine gemeinsame Abstammung der untersuchten Tiere schließen, die vermutlich nacheiszeitlich über die ungarische Tiefebene an die Drau gelangt sind. Die Analyse der genetischen Variabilität lässt die untersuchten Kärntner Populationen als "genetisch gesund" bezeichnen, es zeigte sich keine Notwendigkeit für spezifische Maßnahmen innerhalb der Schutzbemühungen aufgrund der genetischen Konstitution der Tiere. Die Ergebnisse wurden u. a. in der Carinthia veröffentlicht:
GUICKING, D. & A.K. SMOLE-WIENER (2003): Genetische Untersuchungen der Kärntner Würfelnattern. Carinthia II, 193./113. Jg.:443-448. Klagenfurt.

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Das durchgeführte ELER-Projekt
Von Jänner 2009 bis September 2014 führte die Arge NATURSCHUTZ ein ELER-Projekt mit dem Titel "Monitoring und Maßnahmenplanung für die Würfelnatter (Natrix tessellata) in Kärnten" durch. Im Rahmen des Projektes wurde an 15 ausgewählten Würfelnatter-Populationen ein Monitoring hinsichtlich des Erhaltungszustandes gemäß der FFH-Richtlinie durchgeführt und an ausgewählten Fundorten gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensraumqualität für die Würfelnatter umgesetzt.

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Folgende Verbesserungsmaßnahmen wurden umgesetzt:

  • Im Juli 2011 wurde an der Uferböschung vom Treimischer Teich (Klagenfurt, Viktring) eine Steinschlichtung errichtet, die den vorkommenden Reptilien Sonnen- und Versteckplätze bietet, die im restlichen Gebiet selten sind.
     
  • Am linken Drauufer unterhalb des Kraftwerks Schwabeck wurde die Uferböschung zunehmend von aufwachsenden Gehölzen beschattet. Als Verbesserungsmaßnahme wurde daher die Steinschlichtung der Uferböschung am 26. September 2012 auf gut 180 m Länge freigeschnitten.
     
  • Als Verbesserungsmaßnahme für das Gebiet unterhalb des Kraftwerks Feistritz im Rosental wurde Anfang Oktober 2012 eine abschnittsweise Auslichtung der Uferböschung durchgeführt. Beginnend beim letzten vegetationsoffeneren Bereich wurde auf knapp 50 m Länge flussabwärts die Uferböschung freigeschnitten. Etwa 30 m flussabwärts wurde ein zweiter Abschnitt der Uferböschung auf ca. 25 m Länge freigeschnitten, wobei vor allem die Gehölze entlang der Wasserlinie und des Blockwurfes entfernt wurden, einzelne größere Laubbäume an der Böschungsoberkante blieben stehen, ebenso der geschlossene Gehölzstreifen oberhalb.
     
  • Aufgrund der bisherigen Freilanderhebungen und in Übereinstimmung zum Managementplan für das Europaschutzgebiet AT2133000 Guntschacher Au wurde zur Habitat-Verbesserung für die vorkommenden Würfelnattern am 17. Oktober 2012 ein ca. 50 m langer Abschnitt einer alten Steinschlichtung entlang des Drauufers freigeschnitten, um das Angebot an gut besonnten Strukturen wieder zu erhöhen. Der Gehölzstreifen unmittelbar hinter der Steinschlichtung blieb erhalten. Das anfallende Schnittgut wurde als Astwerkhaufen aufgeschichtet. Ein weiterer Astwerk-Haufen wurde im Bereich des ehemaligen Umkehrplatzes errichtet. Die Haufen sollen als zusätzliche Sonn-, Versteck- und evtl. Eiablageplätze das Strukturangebot im Habitat erhöhen.
     
  • Im Monitoring-Gebiet beim Bootshafen Völkermarkt wurde im August 2013 eine Absicherung am Rand der Gemeindestraße errichtet. Im Umfeld eines Unterschlupfes der Würfelnattern nützen die Schlangen besonders in den Herbstmonaten den sonnigen Straßenrand, um sich aufzuwärmen, wobei wiederholt Jungtiere überfahren wurden. Zum Schutz der gefährdeten Reptilien wurde vom Bauhof der Stadtgemeinde Völkermarkt im August 2013 eine Absperrung aus Schaltafeln errichtet, wodurch der Straßenrand nicht mehr befahren werden kann und die Schlangen vom Erreichen der Fahrbahn abgehalten werden.
     
  • Für das Würfelnatter-Vorkommen an der Wernberger Drauschleife stellen u. a. die Bahndämme und hier vor allem die steinigen Böschungen der Brückenköpfe wichtige Lebensraumstrukturen dar. Die zunehmende Verbuschung der Böschungen führte zu einer wesentlichen Beeinträchtigung für die wärmeliebenden Reptilien. Seitens der ÖBB wurden unsere Maßnahmen-Empfehlungen Anfang April 2014 umgesetzt und die betroffenen Gehölze zurückgeschnitten. Das Schnittgut wurde am Rand der angrenzenden Gehölzbestände als Astwerkhaufen belassen und erhöht damit zusätzlich das Strukturangebot für die Reptilien.
     
  • Um Ruhezonen für die scheuen Würfelnattern an der Uferböschung am Friedelstrand zu erhalten, wurde im April 2014 an beiden Enden der Promenade auf jeweils ca. 25 m Länge ein Holzzaun aufgestellt, der den direkten Betritt der Böschungsoberkante verhindern soll. Die Materialkosten konnten über das vorliegende ELER-Projekt übernommen werden, die Arbeiten wurden dankenswerter Weise von Mitarbeitern der Stadt Klagenfurt am Wörthersee durchgeführt.
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Bild Steinschlichtung an der Uferböschung des Treimischer Teiches (Bau und Fertigstellung)
Steinschlichtung an der Uferböschung des Treimischer Teiches (Bau und Fertigstellung)
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Bild Verbesserungsmaßnahmen am Drauufer unterhalb des Kraftwerks Schwabeck (vor und nach den Arbeiten)
Verbesserungsmaßnahmen am Drauufer unterhalb des Kraftwerks Schwabeck (vor und nach den Arbeiten)
Bild Absicherung am Rand einer Gemeindestraße im Monitoringgebiet beim Bootshafen Völkermarkt
Absicherung am Rand einer Gemeindestraße im Monitoringgebiet beim Bootshafen Völkermarkt
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Bild Errichtung des Holzzaunes zur Besucherlenkung am Friedelstrand
Errichtung des Holzzaunes zur Besucherlenkung am Friedelstrand

Auch Sie können helfen
Zum Schutz der Würfelnatter (und anderer Reptilien) können auch Sie etwas beitragen, indem Sie ...

  • die Schlangen respektieren und ungestört lassen,
  • strukturreiche Bereiche im eigenen Garten als Ruhezonen weitgehend ungenützt belassen,
  • den Komposthaufen zwischen Juni und September nicht umgraben, um mögliche Gelege nicht zu zerstören,
  • auf die Reinhaltung der heimischen Gewässer achten.

Sollten Sie das Glück haben, eine Würfelnatter oder auch eine andere Schlangen- und Eidechsenart zu entdecken, sind wir für die Mitteilung der Beobachtung dankbar (wenn möglich unter Angabe von Datum und genauem Fundort, evtl. Foto). Kontaktieren Sie bitte:

Mag. Karina Smole-Wiener

Tel.: +43 (0) 42 72 21 930-12
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