Monitoring Amphibien, Reptilien und Libellen
Amphibienerhebungen
Es wurden insgesamt sieben Amphibienarten im Untersuchungsgebiet nachgewiesen, die alle gemäß der Kärntner Tierartenschutzverordnung i.d.g.F. zu den vollkommen geschützten Tierarten zählen.
Deutscher Artname // Wissensch. Artname // Rote Liste Kärnten // Rote Liste Österreich // FFH-Richtlinie
- Teichmolch (Lissotriton vulgaris); VU; NT; -
- Gelbbauchunke (Bombina variegata); EN; VU; Anhang II und IV
- Laubfrosch (Hyla arborea); VU; VU; Anhang IV
- Erdkröte (Bufo bufo); LC; NT; -
- Grasfrosch (Rana temporaria); LC; NT; Anhang V
- Springfrosch (Rana dalmatina); NT; NT; Anhang IV
- Wasserfrösche* (Pelophylax sp.); VU; NT/VU; Anhang IV oder V
* Die Artbestimmung ist bei der Gruppe der Wasserfrösche aufgrund ihrer Hybridisierung im Freiland problematisch, weshalb sie in der vorliegenden Arbeit nicht artspezifisch unterschieden wurden.
Als Zeigerart für das vorliegende Projekt wurde die Gelbbauchunke (Bombina variegata) ausgewählt. Die Art bevorzugt zur Fortpflanzung sonnenexponierte, sich leicht erwärmende Klein- und Kleinstgewässer, häufig auch temporäre Wasserstellen mit geringer Räuberdichte. Als typische Bewohner von Aulandschaften benötigen Gelbbauchunken eine gewisse Dynamik des Lebensraumes. Zur längerfristigen Erhaltung einer Gelbbauchunkenpopulation müssen immer wieder Gewässer früher Sukzessionsstadien zur Verfügung stehen.
In der Nacht vom 30.04.2024 wurden alleine bei den wassergefüllten Radspuren im Südosten des Gebiets mehr als 40 Gelbbauchunken gezählt. Obwohl es sich an den anderen Fundstellen meist um Einzeltiere handelte, kann von einer Populationsgröße im gesamten Untersuchungsgebiet von zumindest 100 Adulttieren ausgegangen werden, was gemäß den Vorgaben von ELLMAUER (2005) für Arten des FFH-Anhang II einem Erhaltungszustand von "B" für die Populationsgröße entsprechen würde.
Amphibienfunde nach der Gewässeranlage
Bereits wenige Tage nach Baggerung der kleinen Tümpel konnten mehrere adulte Gelbbauchunken darin beobachtet werden. Bereits Anfang Juni 2025 wurden in den neu angelegten Gewässern zumindest 50 adulte Unken, darunter auch zwei Pärchen, gesichtet. In den folgenden Wochen konnten in allen neu gebaggerten Kleingewässern adulte Unken sowie Kaulquappen beobachtet werden. Sichtungen von mehreren frisch metamorphosierten Jungtieren der Gelbbauchunke konnten auch für alle der neu angelegten Tümpel eine erfolgreiche Reproduktion belegen.
Die rasche Besiedelung der neu gebaggerten Kleingewässer durch die Unken und die erfolgreiche Reproduktion im ersten Sommer bestätigen den bisherigen Mangel an geeigneten Laichgewässern. Die Anzahl geeigneter Laichplätze für die Gelbbauchunke konnte mit den umgesetzten Maßnahmen im Gebiet erfolgreich erhöht werden.
Auch der Europäische Laubfrosch (Hyla arborea) hat die neu angelegten Kleingewässer rasch besiedelt und bereits im Sommer 2025 erfolgreich als Laichgewässer genutzt. Laubfrosch-Kaulquappen und juvenile Exemplare wurden in bzw. bei allen neu gebaggerten Tümpeln beobachtet.
Reptilienerhebungen
Im Zuge der Geländebegehungen wurden zufällige Reptilienbeobachtungen miterfasst. Beide nachgewiesene Reptilienarten zählen gemäß der Kärntner Tierartenschutz-verordnung i.d.g.F. zu den vollkommen geschützten Tierarten und sind laut Roten Listen Kärnten und Österreich zunehmend gefährdet.
Aufgrund dieser Zufallsfunde und der Möglichkeit von Vorkommen weiterer Reptilienarten im Projektgebiet bzw. dessen Umfeld wurde die Anlage von kleinräumigen Versteck- und Sonnstrukturen für diese Tiergruppe in die Maßnahmenplanung mit aufgenommen.
Deutscher Artname // Wissensch. Artname // Rote Liste Kärnten // Rote Liste Österreich
- Blindschleiche (Anguis fragilis); LC; NT
- Ringelnatter (Natrix natrix); NT; NT
Libellenerhebungen
Libellen brauchen für die Reproduktion dauerhaft wasserführende Gewässer, die idealerweise besonnt und fischfrei sind sowie Uferröhricht und Unterwasservegetation aufweisen. Von Vorteil wäre auch eine weitgehend naturnahe Umgebung.
Im Gebiet wurden im Frühjahr 2025 ein großes und drei kleine stehende Gewässer angelegt und von unglaublich vielen Libellen-Individuen und -arten schon im ersten Jahr angenommen. Da in den das Gebiet abgrenzenden Entwässerungsgräben im Nordwesten und Westen vom Biber Dämme gebaut wurden, ist das Untersuchungsgebiet das ganze Jahr über weitgehend überschwemmt oder weist zumindest einen sehr hohen Grundwasserspiegel auf. Damit sind auch die gebaggerten Gewässer gut wassergefüllt. Das Angebot an geeigneten Reproduktionsgewässern für Libellen im Untersuchungsgebiet ist aktuell als günstig einzustufen.
Im Zuge der Begehungen wurden alle flugfähigen Tiere kartiert und versucht, die Anzahl abzuschätzen (aufgeteilt in Geschlecht, Tandem/Kopulationsrad, frisch geschlüpft/Jungtier, Eiablage). Die Erhebung erfolgte hauptsächlich über Sichtnachweise und über Fotos mit anschließender Bestimmung. Auf eine gezielte Sammlung von Larven oder Exuvien wurde aufgrund des relativ großen zeitlichen Aufwandes sowohl für die Sammlung als auch für die Bestimmung verzichtet, zufällig gefundene Exuvien wurden aber mitgenommen.
Im Gebiet konnten in den Jahren 2024 und 2025 insgesamt 31 Libellenarten festgestellt werden.
Deutscher Artname // Wissensch. Artname // Rote Liste Kärnten 2023
- Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo); NT
- Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea); LC
- Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum); LC
- Falkenlibelle (Cordulia aenea); LC
- Feuerlibelle (Crocothemis erythraea); LC
- Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula); LC
- Frühe Heidelibelle (Sympetrum fonscolombi); LC
- Gabel-Azurjungfer (Coenagrion scitulum); DD
- Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens); NT
- Gefleckte Smaragdlibelle (Somatochlora flavomaculata); NT
- Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum); LC
- Blaue Federlibelle (Platycnemis pennipes); LC
- Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum); LC
- Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca); LC
- Glänzende Smaragdlibelle (Somatochlora metallica); LC
- Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum); LC
- Große Königslibelle (Anax imperator); LC
- Große Pechlibelle (Ischnura elegans); LC
- Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum); LC
- Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta); LC
- Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella); LC
- Keilflecklibelle (Aeshna isoceles); NT
- Kleine Königslibelle (Anax parthenope); NT
- Kleine Pechlibelle (Ischnura pumilio); LC
- Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus); VU
- Kleines Granatauge (Erythromma viridulum); NT
- Östlicher Blaupfeil (Orthetrum albistylum); LC
- Plattbauch (Libellula depressa); LC
- Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae); VU
- Vierfleck (Libellula quadrimaculata); LC
- Westliche Weidenjungfer (Chalcolestes viridis); LC
Vergleich Libellenerhebungen 2024 und 2025
- Im Gebiet wurden 2025 mit 28 Arten sieben mehr als im Jahr 2024 beobachtet. Drei Arten konnten nicht bestätigt werden (Blaugrüne Mosaikjungfer, Falkenlibelle und Schwarze Heidelibelle), dagegen wurden zehn neue Arten vorgefunden!
- Auch die Häufigkeiten pro Art waren insgesamt höher, statt fünf Arten im Jahr 2024 wurde heuer nur eine Art einmal festgestellt.
- Die Gesamtanzahl aller Libellenindividuen war 2025 um mehr als das Doppelte höher (262 zu 561).
- Interessant ist, dass auch von den neuen Arten teilweise schon hohe Individuenzahlen und Reproduktion nachgewiesen werden konnte. Besonders erfreulich ist, dass mit dem Nachweis der Gabel-Azurjungfer der dritte Standort in Kärnten nach dem Erstnachweis 2024 entdeckt werden konnte und das sogar in einer relativ großen Individuenanzahl.
- Waren 2024 noch 38 Prozent der beobachteten Arten im Gebiet höchstwahrscheinlich nicht bodenständig, waren es 2025 nur mehr 14 Prozent. Zwei Arten waren 2025 sicher bodenständig (sieben Prozent, 2024: Null), 42 Prozent sind wahrscheinlich bodenständig (2024: 38 Prozent), 35 Prozent möglicherweise Bodenständig (2024: 24 Prozent).
Damit bestätigte sich die Prognose von 2024 schon im selben Jahr der Anlage von neuen Gewässern eindrucksvoll, dass das Gebiet ein großes Potenzial für eine Zuwanderung von Libellenarten inklusive Entwicklung von Bodenständigkeit aufweist, sofern geeignete Fortpflanzungsgewässer bestehen würden.










