Natura 2000 - Gebiet Fronwiesen und Projektgebiet Tallacher Feld
Natura 2000 - Gebiet Fronwiesen
Die Fronwiesen bei St. Jakob/Rosental zeichnen sich durch einen ausgedehnten Mager- und Halbtrockenrasen-Komplex aus, der zu den größten und schönsten der Kärntner Tallagen zählt. Besonders wertvoll sind die ausgedehnten Orchideenwiesen. Die Erhaltung dieser Wiesenlandschaft ist vor allem auf die traditionelle Wirtschaftsweise der bäuerlichen Kleinbetriebe zurückzuführen.
Im Februar 2002 wurden 69 ha als Natura 2000-Gebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie nominiert.
Schon seit 1992 werden von der Arge NATURSCHUTZ mit Unterstützung des Landes Kärnten umfassende Maßnahmen im Rahmen des Vertragsnaturschutzes durchgeführt. In enger Zusammenarbeit mit den Grundbesitzern und Bewirtschaftern werden Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen erarbeitet und umgesetzt. Insgesamt werden derzeit (Stand: 2009) rund 49 ha Wiesenfläche gemäht, wovon ca. 42 ha vertraglich über das ÖPUL oder N.AB.L. – Programm gebunden sind. Das Gebiet wird von 28 Personen bewirtschaftet, größtenteils jedoch nicht von den Grundeigentümern selbst.
Außerdem fanden umfangreiche Untersuchungen zu ausgewählten Themen statt, darunter Flora und Vegetationstypen, Orchideen, Wanzen, Heuschrecken und Vögel.
Botanische Untersuchungen
Die botanischen Forschungen erbrachten bisher rund 170 Pflanzenarten, darunter 8 verschiedene Orchideen (z.B. Fliegen-Ragwurz und Wanzen-Knabenkraut) sowie 12 verschiedene Vegetationstypen. Basierend auf der ersten Kartierung im Jahr 2002 wurden im Jahr 2003 drei Monitoringflächen mit einer Fläche von jeweils 4m x 4m eingerichtet. Anhand dieser Flächen soll die Entwicklung der Vegetation mit Schwerpunkt Orchideenverbreitung untersucht werden. Auf der derzeit artenreichsten Aufnahmefläche wurden 54 Arten gefunden. In dieser Aufnahmefläche konnten auch 4 Orchideenarten nachgewiesen werden.
Problematisch zeigte sich in den Jahren 2008 und 2009 das Wiederfinden der Vermessungspunkte der Orchideen-Monitoringflächen, die im Jahr 2003 eingerichtet wurden. Die Vermessungspunkte waren in der Vegetationsperiode nur sehr schwer oder gar nicht auffindbar und die Erhebungen wurden dadurch verfälscht. Ein Rückgang von blühenden Orchideen ist aber auf jeden Fall festzustellen und auf verschiedene Parameter zurückzuführen: Witterung, Mähzeitpunkt, Blühhäufigkeit der Orchideen (Orchideen blühen nicht regelmäßig). Für das Jahr 2010 ist das Einrichten der Monitoringfläche mit einem Gitternetz (2m x 2m) geplant. Weiters sollen die Mähtermine überdacht und eventuell geändert werden.
Zoologische Untersuchungen
Es konnten bisher 52 verschiedene Vogelarten erfasst werden. Zu den Besonderheiten gehörten Baumpieper, Goldammer und Neuntöter.
Weiters wurden 25 verschiedene Heuschreckenarten, zwei Schaben und eine Ohrwurmart nachgewiesen, das sind insgesamt 28 Arten. Das ist mehr als ein Viertel aller bisher in Kärnten nachgewiesenen Orthopteren (Geradflügler). Aus der Familie der Wanzen (Heteroptera) konnten 99 verschiedene Arten nachgewiesen werden, darunter befanden sich zwei Erstnachweise und zwei Zweitnachweise für Kärnten.
Aufgrund der Lebensraumvielfalt werden ca. 130 verschiedene Arten auf den Fronwiesen erwartet. Die Untersuchungen bezogen sich auf vier verschiedene Lebensräume (Saumbiotope, Brachen, Magerweisen, Fettwiesen), wobei die meisten Arten (insgesamt 78 Arten) in den Magerwiesen festgestellt werden konnten.
Umsetzungen im Gebiet
An Pflegemaßnahmen wurde nach Vorliegen der behördlichen Genehmigung ein kleineres Feldgehölz gerodet, um den Lebensraumtyp "Magerwiese" zu erweitern. Nach der Rodung wurde die Fläche gefräst und mit Heublumen aus dem Gebiet eingesät. Im Jahr 2009 zeigte die Einsaatfläche schon annähernd das typische Bild einer artenreichen Glatthaferwiese.
Besonders wichtig ist die Einbindung der Grundbesitzer in Form von Exkursionen, Vorträgen, Einzelgesprächen und regelmäßiger Information. Diese bilden eine hervorragende Grundlage für eine optimale Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft.
Tallacher Feld
Der Talboden im Bereich des Projektgebietes "Tallacher Feld" zeichnet sich durch eine kleinräumig strukturierte Hügellandschaft aus, die aus verschiedenen alten Konglomeraten, Schottern und Schwemmkegeln entstanden ist. Die Schwemmkegel sind später durch die aus den Karawanken kommenden Bäche zerschnitten worden. Die teils großflächig ausgebildeten Magerwiesen gehen auf eine extensive Bewirtschaftung dieser schottrigen und kargen Böden zurück. Über dem Schotter liegt nur eine dünne Humusschicht, nur in Senken und Mulden, die im Gebiet von unterschiedlicher Größe zahlreich vorhanden sind, ist die Humusschicht mächtiger.
Auffallend ist der hohe Anteil an Gehölzbiotopen. Diese sind entweder als Einzelbäume, Feldgehölze, Strauch- und Baumhecken oder kleinere Waldflächen (z.T. leider auch aufgeforstet) ausgebildet. Dadurch ist die Landschaft vielfältiger, artenreicher und in ihrem Gesamterscheinungsbild abwechslungsreicher als das Natura 2000-Gebiet Fronwiesen.
Die unmittelbare Siedlungsnähe führte dazu, dass zahlreiche wertvolle Magerwiesen in Bauland umgewidmet wurden. Die Umwandlung zu intensiv genutzten Landwirtschaftsflächen (Fettwiesen, Acker), weiters das Auffüllen der Senken und Mulden, die Aufforstung mit Fichten und Föhren und letztendlich auch die Nichtbewirtschaftung führte ebenfalls zum Verlust dieser artenreichen Blumenwiesen (aus: Projektbericht "Biotoppflegeprogramm Tallacher Feld, St. Jakob/Rosental (Ladinacher Feld, Feistritz/Rosental)", 2000).
Das aktuelle Projektgebiet umfasst 190 ha, die sich im Besitz von 197 Personen befinden. Insgesamt werden derzeit (Stand: 2009) rund 170 ha landwirtschaftliche Flächen bewirtschaftet, davon 69 ha mit Bewirtschaftungsvertrag (ÖPUL und N.A.B.L). Die Bewirtschaftung der Vertragsflächen liegt bei 24 Bewirtschaftern, wobei auch im Tallacher Feld ein Großteil nicht mehr von den Grundeigentümern selbst bewirtschaftet wird.
Problemstellung
Insgesamt gibt es in beiden Gebieten 251 Grundeigentümer. Grundsätzlich ist es sehr schwierig, die Wiesen einem Bewirtschafter zuzuordnen, weil einerseits für viele Flächen kein Bewirtschaftungsvertrages vorliegt und andererseits Vertragsflächen nicht vom Vertragspartner gemäht, sondern größtenteils von anderen Landwirten "mitgemäht" werden. Zum Problem wurde in den letzten Jahren die Weiterführung der Bewirtschaftung von extensiv bewirtschafteten Wiesenflächen (durch Aufgabe der Betriebe, durch Pensionierung der Landwirte).
Alternative "Heunutzung" und Vermarktungsschienen
Derzeit ist eine Bewirtschaftung der Projektgebiete großteils gesichert (ÖPUL-Maßnahmen und Bewirtschaftungsverträge laufen bis 2013). Längerfristig gesehen muss damit gerechnet werden, dass aufgrund fehlendem wirtschaftlichen Interesse zur Weiterbewirtschaftung die Wiesenflächen Gefahr laufen, zu verbrachen. Hier werden im Vorfeld bereits Überlegungen für Alternativen angedacht, wie zum Beispiel die Wiesenflächen zur Saatgutgewinnung heranzuziehen oder ähnlich der Vermarktungsschiene "Bergheu" eine Heubörse für (Qualitäts-)Magerwiesenheu aus Tallagen anzubieten.






